Escapes on Film

Zwei Stege. Der eine steht in Brunnen am Vierwaldstättersee, Aluminiumgeländer, Rettungsring an der Stange, dahinter die Berge im Dunst. Der andere steht in Sorobon auf Bonaire, Holzplanken, zwei Stühle, eine rote Fahne im Wind, dahinter das Türkis der Lagune. Zwischen beiden liegen achttausend Kilometer. Auf Film sehen sie aus wie Nachbarn.

Das ist die Idee hinter «Escapes on Film»: 25 Fotografien, aufgenommen in der Schweiz und in der Karibik, und man muss oft zweimal hinschauen, um zu wissen, wo man gerade ist. Ein Steg ist ein Steg. Ein Baum am Wasser ist ein Baum am Wasser. Das Licht am späten Nachmittag fällt in Horgen genauso schräg über den See wie in Clifton über die Bucht.

Das Schöne liegt nah

Ich habe die Karibikbilder auf Reisen gemacht – Union Island, Bonaire, Barbados –, so wie man eben reist, wenn man das Fernweh ernst nimmt. Die Schweizer Bilder sind an ganz gewöhnlichen Tagen entstanden, am Zürichsee zwischen Thalwil, Horgen und Oberrieden, in Zug, in Brunnen, am Limmatufer in Zürich. Orte, an denen man vorbeifährt, wenn man etwas zu erledigen hat.

Erst beim Sortieren der Negative fiel mir auf, wie sehr sich die Bilder gleichen. Nicht im Motiv – Palmen gibt es am Zürichsee nicht –, sondern in dem, was sie zeigen: Menschen, die am Wasser sitzen und nichts tun. Ein leerer Steg. Ein Platz im Schatten. Die Karibik ist der Ort, an den man fährt, um genau das zu finden. Und dann steht man am Sonntag am See vor der Haustür und findet es dort auch.

Daraus wurde das Buch. Kein Reisebuch und kein Heimatbuch, sondern ein Nebeneinander: Auf der einen Seite die Ferne, auf der anderen das Nahe, und dazwischen die Frage, ob der Unterschied wirklich so groß ist, wie wir glauben.

Videotrailer zum Buch “Escapes on Film” von Holger Ort

Auf Film fotografiert

Alle Bilder sind analog entstanden, auf Farbnegativfilm und Schwarzweißfilm. Das ist keine Nostalgie, sondern Teil der Idee. Film hat eine eigene Art, mit Licht umzugehen: Er lässt Gegenlicht zur Silhouette werden statt es aufzuhellen, er nimmt der Karibik das Postkartenhafte und gibt dem Zürichsee etwas Südliches. Auf Film rücken die beiden Welten näher zusammen, als es eine Handykamera je zulassen würde.

Und Film zwingt zum Warten. Was auf der Rolle ist, sieht man erst Wochen später. Vielleicht ist es das, was die Bilder verbindet – sie wurden alle in einem Moment gemacht, in dem nichts drängte.

Das Buch

«Escapes on Film» ist 2020 als Hardcover erschienen, 30 × 30 cm, 20 Seiten, mit 25 Fotografien und ihren Ortsangaben – mehr Text braucht es nicht. Die Auflage war klein, und ich dachte, sie sei längst vergriffen. Vor ein paar Tagen habe ich beim Aufräumen zwei Exemplare gefunden. Die beiden stehen jetzt im Shop; danach gibt es das gedruckte Buch nicht mehr.

Wer das Buch lieber auf dem Bildschirm oder dem Tablet ansehen möchte, bekommt es als eBook geschenkt: Alle, die meinen Newsletter abonnieren, erhalten «Escapes on Film» als Download. Der Newsletter erscheint unregelmäßig, wenn es etwas zu zeigen gibt – eine neue Filmrolle, ein neues Zine, ein neuer Print.

Zwei gedruckte Exemplare im Shop →

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Filmrolle: Lago Maggiore