Meine (filmreife) Story
„An meine erste Kamera kann ich mich überhaupt nicht erinnern.“
Fotos: Marcus Schaul
Mein Zitat oben ist wahrscheinlich ein eher untypischer Satz für einen Fotografen. Aber es stimmt.
Kameras gab es schon immer in meiner Familie. Sie waren aus Metall und schwer und natürlich analog. Mein Vater hatte eine und mein Opa auch, eine Leica des kleinen Mannes sozusagen: eine Voigtländer.
Voigtländer stand für Qualität, Robustheit und scharfe Fotos, ein Arbeitstier. Eine Voigtländer lieferte jahrzehntelang treue Dienste, wenn man sie pflegte und ordentlich mit ihr umging. So wie eine Leica eben.
Damals war die Kamera aber ausschließlich ein Utensil für den Urlaub, um Onkel Heinz und Tante Hilde die Welt zu zeigen, die man bereiste. Die Welt bestand damals aus so exotischen Orten wie der Ostsee und dem Allgäu.
Heute, viele Jahrzehnte später, zeigt man die Welt auf Instagram. Und tatsächlich war diese Foto-App, die sie anfänglich noch war, der Start für meine Reise in die Fotografie.
Unterwegs in der Karibik und auf den Kanaren entdeckte ich meine Leidenschaft für die Reise-… pardon Travel Photography, wie man heute sagt.
Und dann kam Corona. Ein Satz, den man häufig liest und hört. Für mich bedeuteten die weltweiten Reisebeschränkungen, dass ich mir Motive vor meiner Haustür suchen musste. So entdeckte ich meine Liebe zur Street Photography, die mich seitdem nicht mehr loslässt.
Doch dann passierte etwas, was ich mir vor Jahrzehnten nicht hätte vorstellen können. Ich kaufte mir eine Voigtländer. So eine aus Metall und schwer und natürlich analog.
Meine Lieblingskamera. Manchmal nimmt das Leben komische Wendungen.
Seitdem fotografiere ich auf Film. 36 Bilder pro Rolle, keine Vorschau auf dem Display, kein Löschen und Wiederholen – was auf dem Negativ ist, ist das Bild. Das Korn, das Licht, der Moment: echte Fotos.
Ich fotografiere keine Hochzeiten, keine Produkte, keine Porträts nach Wunsch. Meine Bilder entstehen, weil ich einen Moment sehe, den es so nur einmal gibt – und weil ich ihn festhalten will, bevor er vorbei ist. Ich bin ein Künstler, der sich aussucht, was er sehen und festhalten will.
Aus den Rollen werden Zines, das Buch «Escapes on Film» und Prints in kleiner Auflage, nummeriert und signiert. Wer ein Bild von mir an die Wand hängt, hängt sich ein Stück analoger Kunst auf: einen Moment, der genau einmal so stattgefunden hat, auf Film festgehalten und nicht berechnet.